8 populäre Ernährungsmythen entlarvt – Teil 2
8 populäre Ernährungsmythen entlarvt – Teil 2

8 populäre Ernährungsmythen entlarvt – Teil 2

Im ersten Teil haben wir populäre Ernährungsmythen der Neuzeit entkräftet – doch wo die herkommen, gibt es noch viel mehr! Sehr viel mehr. Im Folge-Artikel werden wir vier weitere Mythen der Ernährung besprechen und ich hoffe, dass dir die hier vermittelten Infos dabei helfen werden dich besser im Ernährungsdschungel zurechtzufinden. So viel sei an dieser Stelle verraten: Es wird sehr fettlastig. 😉

8 populäre Ernährungsmythen entlarvt – Teil 2

Ernährungsmythos #5: Gesättigte Fette sind schlecht für die Gesundheit

Der Trend der Neuzeit postuliert, dass wir unsere tägliche Fettzufuhr nicht nur stark einschränken (<30% der Tageskalorien) sondern auch verstärkt auf pflanzliche Fette setzen sollten, die überwiegend einfach- und mehrfach-ungesättigt sind.

Tierische Fette, die zu großen Teilen aus gesättigten Fettsäuren bestehen, sollen dagegen nicht nur schlecht für die Herz-Kreislauf-Gesundheit sein, sondern obendrein auch den Cholesterinspiegel negativ beeinflussen (indem sie den LDL-Spiegel („böses Cholesterin“) anheben) und so für erhöhte Blutfettwerte sorgen.

Nun, die Theorie hinter dieser Behauptung wurde in den 60er Jahren entwickelt und gilt heutzutage als widerlegt. Tatsächlich wurden die Ergebnisse, die eine starke Korrelation zwischen dem Verzehr gesättigter Fette und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen sollten, von dem entsprechenden Wissenschaftler frisiert und manipuliert, wie ich bereits in einem Aesir Sports F.A.Q. Artikel auf unserer Hauptseite aufgezeigt habe (siehe „F.A.Q. #14: Sind gesättigte Fette schlecht für die Herz-Kreislauf-Gesundheit?“).

ERNÄHRUNGSMYTHOS #5: GESÄTTIGTE FETTE SIND SCHLECHT FÜR DIE GESUNDHE
Ernährungsmythos #5: Lange Zeit standen sie auf dem Index, doch heute wissen wir, dass gesättigte Fette (tierische Fette) gar nicht so ungesund sind, wie immer behauptet wird. Natürlich spielt auch dein restliches Ernährungsverhalten und dein Lebensstil eine entsprechende Rolle. (Bildquelle: Flickr / Kim Ahlström ; CC Lizenz)

Aktuelle Studien hoher Güte, welche den Zusammenhang von tierischen (gesättigten) Fetten in der Ernährung und Herz-Kreislauf-Beschwerden untersucht haben, finden indes keine starke Korrelation hinsichtlich der Sterblichkeitsrisikos (Gesamtmortalität) und des Risikos für Schlaganfälle [2][3][4].

Im Gegenteil: Der Verzehr von gesättigten Fettsäuren scheint nach aktuellen Erkenntnissen das Blutfettprofil in eine vorteilhafte Richtung zu verschieben, indem der Anteil an HDL („gutes Cholesterin“) erhöht und kleine LDL-Partikel in größere LDL-Partikel transformiert, die unter dem Strich das Risiko für Schlaganfälle und Co. reduzieren [5][6][7].

Natürlich spielt auch die restliche Ernährung und der Lebensstil der Person eine erhebliche Rolle, wenn es um die Wirkung eines Makronährstoffes geht: Wenn du bereits stark übergewichtig bist, dich im Alltag kaum bewegst, keinen Sport treibst und neben einer fettreichen Ernährung auch noch viele Kohlenhydrate verzehrst (chronisches Kalorienplus), dann wird sich deine Gesundheit mit ansteigendem Körpergewicht negativ entwickeln – völlig unabhängig, ob das Fett nun gesättigt oder ungesättigt (oder gar gehärtet) ist.

Gesättigte Fettsäuren sind ein super „Treibstoff“ für den Körper, wenn du dich low carb ernährst. Sie sind auch ein wahrer Segen für einen gesunden Hormonstoffwechsel (insbesondere Testosteron) und sollten daher stets einen Platz in einem gut durchdachten Speiseplan haben. Als Faustformel lässt sich sagen: Je kohlenhydratärmer deine Ernährung ist, desto höher kann der Anteil an gesättigten Fettsäuren sein.

Ernährungsmythos #6: Eier sind aufgrund ihres hohen Cholesterins ungesund

Apropos gesättigte Fettsäuren… eine weitere beliebte Ernährungspraktik der heutigen Zeit ist es Eier entweder ganz zu meiden oder aber nur das Eiklar zu verwenden. Die Überlegung geht in eine ganz ähnliche Richtung, wie in Punkt #5 (denn schließlich ist das Ei ebenfalls tierischen Ursprungs und enthält daher auch tierische Fette).

Kraftsportler und Bodybuilder meiden das Vollei weniger aufgrund des Gehalts tierische Fette, sondern aus dem Grund, weil das Eigelb fett- und kalorienreich ist. Das ist zumindest ein Aspekt, den ich persönlich nachvollziehen kann, allerdings sollte man wissen, dass gerade jenes Eigelb eine wahre Nährstoffbombe ist, die zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe liefert.

Der Otto Normalbürger meidet Eier dagegen, weil diese angeblich schlecht für den Cholesterinspiegel (und damit die Herz-Kreislauf-Gesundheit) sein sollen.

ERNÄHRUNGSMYTHOS #6: EIER SIND AUFGRUND IHRES HOHEN CHOLESTERINS UNGESUND
Ernährungsmythos #6: Das Eigelb liefert Fette und Cholesterin – und ist gleichzeitig der nahrhafteste Teil des Eis. Neben zahlreichen Vitaminen und Mineralien enthält es Cholin, Lecithin und wertvolle Antioxidantien. (Bildquelle: Wikimedia / jefras a.k.a Joăo Estęvăo A. de Freitas ; Public Domain Lizenz)

Nahrungscholesterin ≠ Körpercholesterin

Ja, es stimmt: Ein kleines Ei (50g) liefert zirka 212,5 mg Cholesterin. Hierbei handelt es sich jedoch um Nahrungscholesterin und dieses hat unter normalen Umständen* keine Auswirkung auf den Körpercholesterinspiegel – was daran liegt, dass sich unser Körper grundsätzlich mit eigensynthetisierten Cholesterin versorgt.

  • Ernähren wir uns cholesterinarm, dann wird die Eigenproduktion hochreguliert.
  • Ernähren wir uns cholesterinreich, dann wird die Eigenproduktion gedrosselt.

Unter dem Strich hat die Aufnahme von Cholesterin über die tägliche Ernährung kaum einen Effekt auf den Cholesterinwert [8][9] (der ggf. von deinem Arzt als bedenklich eingestuft wird, worauf er dir zu einer cholesterinarmen Ernährung oder – noch schlimmer – cholesterinsenkende Medikamente (Statine) verordnet).

*normale Umstände = Nahrungscholesterin beeinflusst den Körpercholesterinspiegel in der Mehrheit der Bevölkerung nicht. Es gibt aber Menschen bei denen das nicht so ist – diese werden als „Hyper-Responder“ bezeichnet. Die nahrungsbedingte Zufuhr von Cholesterin kann in dieser Subpopulation den körpereigenen Cholesterinspiegel beeinflussen. Für eine ausführliche Diskussion zu diesem Thema, siehe unseren Artikel „Dat Dere Ovum“.

Genetisch bedingte Hypercholesterinämie

Wie steht es um deine Gesundheit? Finde es heraus - mit unserem Basic Bluttest für zu Hause
Wie steht es um deine Gesundheit? Finde es heraus – mit unserem Basic Bluttest für zu Hause kannst du eine professionelle Analyse von 16 Biomarkern durchführen.

In manchen Familien kommt es von Haus aus zu einer Hypercholesterinämie (chronisch erhöhte Cholesterinspiegel) [10], die allerdings nahrungsmittel-unabhängig auftritt. Das heißt: Diese Menschen haben aufgrund ihrer genetischen Ausstattung erhöhte Cholesterinspiegel – egal ob sie sich cholesterinreich oder cholesterinarm ernähren. Dies heißt aber nicht automatisch, dass diese Personen gesundheitlich gefährdet sind (ein Blick auf das Verhältnis von HDL zu LDL ist da meist hilfreich).

Ist ein hoher Eikonsum problematisch?

Eine Meta-Studie aus dem Jahre 2013 untersuchte beispielsweise die Daten von knapp 260.000 Teilnehmern hinsichtlich eines Zusammenhangs des Eiverzehrs auf das Risiko einen Schlaganfall zu erleiden bzw. ein Herz-Kreislauf-Leiden zu entwickeln. Das Ergebnis?

In nicht-diabetischen (gesunden) Individuen konnte keinerlei Zusammenhang gefunden werden:

Higher consumption of eggs (up to one egg per day) is not associated with increased risk of coronary heart disease or stroke. The increased risk of coronary heart disease among diabetic patients and reduced risk of hemorrhagic stroke associated with higher egg consumption in subgroup analyses warrant further studies.“ – [11]

Falls du allerdings an Diabetes leidest, dann solltest du wohlmöglich auf einen hohen Eiverzehr verzichten, denn in dieser Bevölkerungsgruppe gab es in der Tat einen Zusammenhang [12].

Das Eigelb: Ein wahrer Nährstoffspender

Als Nicht-Diabetiker spricht absolut nichts dagegen auch mal ein paar Eier (Eigelb) mehr zu vertilgen, welches – wie ich weiter oben bereits ausgedrückt hatte – unglaublich nahrhaft ist (wie sonst könnte sich daraus ein Küken entwickeln?).

Es liefert schätzungsweise 60 Kilokalorien – davon entfallen [13]:

  • 2,7g auf Protein
  • 0,6g auf Kohlenhydrate
  • 4,51g auf Fette (überwiegend ungesättigt!)

…und ist zudem reich an Vitamin A, Vitamin E, Vitamin D (das Ei bzw. Eigelb ist eines der wenigsten Lebensmittel, welches uns Vitamin D liefert!), Vitamin K, Vitamin B (Thiamin, Riboflavin, Pantothensäure, Folat), Cholin, Lecithin, Antioxidantien (Lutein, Zeaxanthin), Kalzium (22mg), Phosphor (66mg), Selen (9,5 mcg), Kalium (19mg), Zink (0,3mg), Eisen (0,46mg) und Magnesium (0,85mg).

Das sich darin befindliche Cholesterin (210mg) trägt überdies hinaus zu einem gesunden Hormonstoffwechsel bei. Du siehst also: Es lohnt sich in der Regel, wenn man ein paar Volleier in die Ernährung einbaut.

Ernährungsmythos #7: Kohlenhydratarme Diäten (Low Carb) funktionieren nicht und/oder sind potenziell gefährlich

Extreme Diätansätze sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer populärer geworden. Nach „Low Fat“ folgte „Low Carb“ (z.B. Atkins Diät). Welche Diätform als nächstes zum Trend wird? Nun, dass werden wir schon noch erleben.

Sowohl Low Fat als auch Low Carb funktioniert sehr gut, wenn ein langfristiges Kaloriendefizit aufrechterhalten wird und es liegt grundsätzlich beim Diäthaltenden zu entscheiden, welchen Weg er einschlägt. Die Wahrheit ist nämlich, dass unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Diätformen zurechtkommen und selbst die beste Diät der Welt sinnlos ist, wenn du aufgrund deiner Lebensumstände und Präferenzen nicht in der Lage bist sie durchzuhalten. Low Carb ist keine Diätform für jedermann – dessen sollte man sich bewusst werden.

ERNÄHRUNGSMYTHOS #7: KOHLENHYDRATARME DIÄTEN (LOW CARB) FUNKTIONIEREN NICHT UND/ODER SIND POTENZIELL GEFÄHRLICH
Ernährungsmythos #7: Jede Ernährungsform ist so (un)gesund, wie du sie machst! Im Falle von Low Carb gilt: Sie funktioniert und ist unbedenklich. Eingestehen sollte man sich allerdings, dass nicht jedermann damit zurecht kommt. (Bildquelle: Flickr Marco Verch ; CC Lizenz)

Sehr oft hört man auch, dass eine „Low Carb“ Ernährung ungesund und gefährlich sei, dass Herz-Kreislauf-System belastet (Arteriosklerose). Ein weiterer Mythos, der sich bei genauer Betrachtung als unhaltbar erweist, denn: Low Carb Diäten funktionieren nicht nur hervorragend, sondern sie sind auch in der Lage diverse Risikofaktoren erheblich zu verbessern – in manchen Bereichen ist eine Low Carb Diät Ihrem fettarmen Pendant sogar überlegen [14][15].

Low Carb und Zivilisationskrankheiten

Die systematische Reduktion der Kohlenhydratzufuhr erweist sich insbesondere im Kampf gegen das metabolische Syndrom und Diabetes als unglaublich wirkungsvolle Waffe [16][17][19][19].

Vielfach vergessen wird auch, das „Low Carb“ nicht zwangsweise „No Carb“ bedeutet. Zwar gilt auch die ketogene Ernährung als nützliches Tool gegen unliebsame Pfunde und diverse Zivilisationskrankheiten, allerdings handelt es sich hierbei um eine extremere Form der Low Carb Diät, die für viele Menschen in der langen Frist schwer durchzuhalten ist (und die Lebensqualität mitunter stark einschränkt) und im Falle von Diabetes zu Komplikationen führen kann – Stichwort Ketoazidose ((gilt jedoch nicht bei gesunden Menschen).

Ernährungsmythos #8: Eine Kilokalorie ist eine Kilokalorie

Egal ob du (qualitativ) zunehmen oder deinen Körperfettanteil reduzieren möchtest: Kalorienzählen ist ein überaus nützliches Werkzeug, um nachhaltig Erfolg bei deinen Bemühungen zu haben (siehe auch unser Video: „Die 6 häufigsten Fehler beim Food-Tracking“). Es ist die simpelste Form der ernährungstechnischen „Buchführung“ und funktioniert zu Beginn für die meisten von uns ohne Probleme.

Das ist allerdings nicht die ganze Wahrheit und auch wenn eine grundsätzliche „Generalisierung“ der Makronährstoffe die Theorie und Praxis wesentlich erleichtert, so muss man klar und deutlich eingestehen, das eine Kilokalorie nicht automatisch eine Kilokalorie ist. Oder konkreter:

  • Eine Kilokalorie aus Kohlenhydraten ist nicht gleichzusetzen mit einer Kilokalorie aus Fetten oder einer Kilokalorie aus Proteinen.

Was zunächst sehr paradox klingt, gewinnt an Substanz, wenn wir uns vor Augen halten, dass Kohlenhydrate, Fette und Proteine über unterschiedliche Stoffwechselpfade metabolisiert werden. Die Zufuhr von Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen beeinflusst nicht nur unseren Hormonstoffwechsel und die enzymatische Ausstattung, sondern verändert auch die Substratnutzung des Körpers (also wie viele Kohlenhydrate, Fette und Proteine zur Energiegewinnung verbrannt werden) und das Hungergefühl [25][26].

ERNÄHRUNGSMYTHOS #8: EINE KILOKALORIE IST EINE KILOKALORIE
Ernährungsmythos #8: Es macht einen Unterschied, ob deine Lebensmittel überwiegend aus Fett, Kohlenhydraten oder Proteinen bestehen. Sie werden unterschiedlich verdaut und verstoffwechselt – dies hat Auswirkungen auf die nutzbare Energie, den Hormon- und Enzymstoffwechsel sowie Regulation von Hunger und Appetit. (Bildquelle: Flickr / eddie welker ; CC Lizenz)

Die Verdauungskosten: Was übrig bleibt…

Da die Verdauung ein kostenintensiver Prozess ist, geht auch ein Teil der Energie in Form von Wärme verloren – ein Phänomen, welches wir als nahrungsinduzierte Thermogenese bezeichnen (Du weißt schon: Wenn dir nach dem Essen plötzlich warm wird oder du sogar ins Schwitzen kommst). Es ist wie bei einem Motor: Unterschiedliche Treibstoffe haben einen unterschiedlichen Effizienzgrad.

Du nimmst vielleicht 100 Kilokalorien in Form von Protein auf, doch dein Körper kann nach Abzug der „Verdauungskosten“ nur 70-80 Kilokalorien davon nutzen. Bei Kohlenhydraten sieht das Ganze schon besser aus, denn hier können von 100 Kilokalorien ungefähr 93 Kilokalorien genutzt werden, während es bei Fetten sogar 97-98 Kilokalorien sind.

Nehmen wir drei Szenarien an (auch wenn diese sehr unrealistisch sind):

  • Szenario 1: Nehmen wir an, dein Gesamtumsatz (GU) liegt bei 3.000 Kilokalorien (der GU ist die Menge, wo du weder zu noch abnimmst) und ernährst dich nur von Protein – d.h. du führst 3.000 kcal an Protein zu. Tatsächlich nutzbar wären in dem Fall nur 2.100 bis 2.400 kcal.

Die Folge? Du würdest trotz der Zufuhr von 3.000 kcal in Form von Protein rapide abnehmen.

  • Szenario 2: Nehmen wir an, dein Gesamtumsatz (GU) liegt bei 3.000 Kilokalorien und ernährst dich nur von Kohlenhydraten – d.h. du führst 3.000 kcal an Kohlenhydraten zu. . Tatsächlich nutzbar wären in dem Fall nur ~2.700 kcal.

Die Folge? Du würdest trotz der Zufuhr von 3.000 kcal in Form von Kohlenhydraten langsam abnehmen.

  • Szenario 3: Nehmen wir an, dein Gesamtumsatz (GU) liegt bei 3.000 Kilokalorien und ernährst dich nur von Fetten – d.h. du führst 3.000 kcal an Fetten zu. . Tatsächlich nutzbar wären in dem Fall ~2.940 kcal.

Die Folge? Dein Gewicht würde sich langfristig nicht sonderlich stark verändern.

…wenn du dich natürlich hyperkalorisch ernährst (Kalorienplus) wirst du in der langen Frist an Gewicht zunehmen (so wie die meisten Menschen, die älter werden und sich unbewusst ernähren).

Natürlich ist es unrealistisch davon auszugehen, dass sich jemand nur von Protein, nur von Kohlenyhdraten oder nur von Fett ernährst. In der wirklichen Welt haben wir es stets mit einem Mix zu tun, aber du merkst schon, welche Auswirkungen eine proteinreiche Ernährung ggü. einer proteinarmen Ernährung haben kann. Über Wochen und Jahre kann die Komposition deiner täglichen Ernährung einen erheblichen Einfluss darüber haben, ob du zu- oder abnimmst (oder dein Gewicht hältst).

Bedenke: Das alles ziehe ich mir nicht aus den Fingern – du kannst es in ausführlicher Form in einem meiner anderen Artikel nachlesen („Wenn die Logik nicht greift: Ist eine Kalorie eine Kalorie?“).

Physikalischer Brennwert Vs. physischer Brennwert

Protein lohnt sich immer, aber es muss nicht immer Fleisch sein: Mit einem hochwertigen Proteinpulver kannst du deine tägliche Ernährung auf bequeme (und köstliche) Art und Weise optimieren.
Protein lohnt sich immer, aber es muss nicht immer Fleisch sein: Mit einem hochwertigen Proteinpulver kannst du deine tägliche Ernährung auf bequeme (und köstliche) Art und Weise optimieren.

Der physische Brennwert der Nahrung (die Kalorienangabe auf der Verpackung) entspricht nicht dem physiologischen Brennwert (die nutzbaren Kalorien, die dein Körper bekommt) [22], ist allerdings da beste approximative Werkzeug, welches uns zur Verfügung steht. Aus diesem Grund ist es auch so überaus wichtig zu beobachten, wie dein Körper auf bestimmte Lebensmittel reagiert. Die individuelle Beobachtung schlägt pauschalisierte Annahmen. Dies ist im Übrigen auch einer der Gründ, wieso im Falle einer Diät oft zu einer proteinreichen Ernährung geraten wird.

Proteine können nicht nur als natürlicher Stoffwechselbooster gesehen werden [23] – sie schützen auch Muskulatur, die zu den aktiven Energieverbrauchern gehört (und dafür sorgt, dass du mehr Kalorien in Ruhe und bei Aktivität verbrennst) und halten dich länger satt [20], wodurch du automatisch weniger isst (und Kalorien aufnimmst) [25].

Nehmen wir zum Beispiel die Studie von Weigle et al. (2005), wo die Forscher 3 unterschiedliche Diätformen bei 19 Teilnehmern getestet haben:

  1. Eine isokalorische* Diät mit einer Aufteilung von 15% Protein, 35% Fett und 50% Kohlenhydraten über 2 Wochen.
  2. Eine isokalorische* Diät mit einer Aufteilung von 30% Protein, 20% Fett und 50% Kohlenhydraten über 2 Wochen.
  3. Eine ad libitum** Diät mit einer Aufteilung von 30% Protein, 20% Fett und 50% Kohlenhydraten über 12 Wochen

*isokalorisch = Kalorienmenge deckt Gesamtumsatz. Es kommt weder zur Zu- noch Abnahme. **ad libitum = nach eigenem Ermessen, d.h. ohne einen bestimmten Kalorienwert einhalten zu müssen.

Das Ergebnis? Die 2-wöchige „High Protein“ Ernährung (Nr. 2, 30% Proteinanteil) führte zu einer merklichen Reduktion des Hungergefühls ggü. der proteinärmeren Ernährung (Nr. 1, 15% Proteinanteil) [21].

Gleiches gilt für die ad libitium Ernährung („iss so viel du willst“ mit 30% Proteinanteil), wo die Kalorienzufuhr im Schnitt rund 441 kcal geringer ausfiel. Die Teilnehmer nahmen in der 12-wöchigen Phase auch 4,9 kg ab (davon 3,7 kg in Form von Fett) [21].

Kalorien: Das Resümee?

Schlichtes Kalorienzählen ist der erste Schritt zu einer bewussteren Ernährung. Für die Gewichtsabnahme ist ein physiologisches Kaloriendefizit entscheidend.

Die gezielte Manipulation der Makronährstoffkomposition deiner Ernährung (der Anteil an Fetten, Kohlenhydraten und Proteinen) ist ein weiterer Schlüssel, der insbesondere bei fortgeschrittenen Sportlern und Personen, die auf einem Abnehmplateau hängen, einen merklichen Schub in Sachen Muskelauf- und Fettabbau bescheren kann. Eine Kalorie ist eben nicht eine Kalorie.

Schlusswort zum 2. Teil

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Ich denke wir haben damit in diesem Teil genügend Ernährungsmythen deklassiert (fürs Erste…).

Fetten – und damit meine ich vor allem die Gesättigten – lastet noch immer ein schlechter Ruf an, der sich vor allem in der allgemeinen Bevölkerung hartnäckig hält … und leider auch bei vielen „Ernährungsexperten“, die sich nicht up to date halten oder ideologisch denken.

Du musst weder den Fettrand vom Steak wegschneiden, noch das Eigelb vom Eiklar trennen, wenn du gesund, fit und leistungsstark werden (oder bleiben) willst. Falls du Bock auf ein paar Eier mehr hast, so spricht da nichts dagegen, sofern die Ernährung und Aktivität entsprechend angepasst wird – Merke:

  • Fettreiche Ernährung (ggf. mit viel Eiern) bei einem Kaloriendefizit = gut.
  • Fettreiche Ernährung (ggf. mit viel Eiern) bei einem dauerhaften Kalorienplus = schlecht.

Häufig ist es das Übergewicht, welches für zahlreiche gesundheitliche Komplikationen (darunter metabolisches Syndrom und Diabetes) verantwortlich ist, insofern sollte das erste Ziel darin bestehen das Gewicht (Körperfettanteil) zu reduzieren.

Hierbei können kohlenhydratreduzierte Ernährungsformen („Low Carb“ Ernährung) behilflich sein. Sie funktionieren und sie können diverse Risikoparameter verbessern. Vor Augen halten solltest du dir nur, dass low carb nicht jedermanns Sache ist. Manche Menschen kommen wunderbar damit zurecht, während andere nicht einmal 7 Tage durchhalten. Erlaubt ist, was funktioniert.

Wenn Gesundheit dein Ziel ist und du Fett abnehmen (und Muskeln aufbauen) möchtest, solltest du auch die Zufuhr der Makronährstoffe bewusst manipulieren, indem du dich proteinreich ernährst. Je nachdem ob du ein „Low Carb“ oder „Low Fat“ Typ bist, kannst du mehr oder weniger von den anderen beiden Makronährstoffen (Fette und Kohlenhydrate) zuführen.

Die Erhöhung der Proteine zu Lasten von Fetten und Kohlenhydraten kann auch ein effektives Mittel zum Überwinden eines Abnehmplateaus sein – auch wenn du die Kalorien 1:1 austauscht (denn eine Kalorie ist nicht eine Kalorie…)

Du möchtest deine Gesundheit verbessern, evtl. abnehmen und Leistung durch eine smartere Ernährung steigern? Dann empfehlen wir dir das Buch „Abnehmen, Gesundheit, Leistungsfaehigkeit – Das Handbuch zu Ihrem Koerper“ von Chris Michalk und Philipp Böhm – ein echter Augenöffner.

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Bildquelle Titelbild: Pixabay / abimansoor ; CC Lizenz

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ÜBER DEN AUTOR – DAMIAN MINICHOWSKI

Damian N. „Furor Germanicus“ Minichowski ist der Gründer und Kopf hinter dem Kraftsport- und Ernährungsmagazin AesirSports.de und FurorGermanicus.de. Neben zahlreichen Gastautorenschaften schreibt Damian in regelmäßigen Abständen für bekannte Online-Kraftsport und Fitnessmagazine, wo er bereits mehr als 200 Fachartikel zu Themen Kraftsport, Training, Trainingsphilosophie, Ernährung, Gesundheit und Supplementation geschrieben hat.

Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Fitnessberater im lokalen Studio, arbeitet Damian als Consultant für den Nahrungsergänzungsmittelhersteller Myprotein und beteiligt sich darüber hinaus an der Produktion und Entwicklung innovativer Supplemente.

Zu seinen Spezialgebieten gehört das wissenschaftlich-orientierte Schreiben von Fachartikeln rund um seine Passion – Training, Ernährung, Supplementation und Gesundheit.

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