Schadstoffbelastung in Fischen & Meerestieren: Quecksilber, PCBs, Dioxine & DDT
Schadstoffbelastung in Fischen & Meeretieren – Teil 1: Quecksilber, PCBs, Dioxine & DDT

Schadstoffbelastung in Fischen & Meerestieren – Teil 1: Quecksilber, PCBs, Dioxine & DDT

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Von Anna Kemper |

Fisch ist gesund! Die Omega-3-Fettsäuren Thematik dürfte mittlerweile jedem Aesir Sports Leser bekannt sein. Deswegen wird wohl auch bei den Meisten regelmäßig Fisch auf dem Ernährungsplan stehen. Leider ist ein hoher Fischkonsum heutzutage, aufgrund der steigenden Verschmutzung der Meere (und der limnischen Gewässer) sowie der damit einhergehenden Schadstoffbelastung der darin lebenden Tiere, nicht ganz unproblematisch.

Sollte man also überhaupt noch regelmäßig Fisch essen? Überwiegen die Vorteile durch einen regelmäßigen Fischkonsum immer noch die Risiken durch evtl. aufgenommen Umweltgifte? Wie sieht denn nun die Schadstoffbelastung in Fischen konkret aus und gibt es vielleicht doch noch Hoffnung? In diesem Artikel widme ich mich 3 Schadstoffgruppen, die in Bezug auf belasteten Fisch immer wieder genannt werden.

Die Rede ist von Quecksilber, PCBs und Dioxinen, und DDT.

Schadstoffbelastung in Fischen & Meerestieren – Teil 1: Quecksilber, PCBs, Dioxine & DDT

Bioakkumulation – Warum wir unseren Dreck am Ende selbst essen

Seit der industriellen Revolution wurden unsere Meere zu einer gigantischen Müllhalde degradiert. Schätzungsweise landen etwa 4,8 – 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll – jedes Jahr – in den Ozeanen. Doch die eigentliche Gefahr geht nicht von dem sichtbaren Müll aus: Durch Industrie, Landwirtschaft etc. gelangen jedes Jahr mehrere Tausend verschiedene Substanzen in die Meere, die dort eigentlich nicht hingehören und deren Auswirkungen auf die Umwelt und auf uns Menschen bisher höchstens ansatzweise erfasst sind. Dazu gehören Pestizide, Schwermetalle, Polychlorierte Biphenyle, Dioxine etc [1][2].

Fische und andere Meerestiere nehmen diese Substanzen über das Wasser oder die Nahrung auf, können sie oftmals nicht mehr ausscheiden und lagern sie im Gewebe (z.B. Depotfett) ein. Befindet sich ein Tier am Ende der Nahrungskette, ernährt es sich also von anderen (belasteten) Tieren, die sich wiederrum von (belasteten) Tieren ernährten, so reichern sich die Schadstoffe bis auf teilweise bedenkliche Konzentrationen an. Bedenklich nicht unbedingt für den Fisch, sondern bedenklich vor allem für den Menschen, der den Cocktail aus DDT, Quecksilber und PCB – gebraten mit etwas Knoblauch – schließlich auf dem Teller hat und sich fragt, ob ein regelmäßiger Fischkonsum in der heutigen Zeit tatsächlich noch gesund ist [2].

Wie sieht die Verschmutzung tatsächlich aus?

Alle zuvor erwähnten Substanzen (Quecksilber, PCB, Dioxine, DDT) sind nicht nurl langlebig sondern auch extrem giftig für Tier und Mensch.

Dennoch sind nicht alle Fische und Meerestiere gleich stark belastet. Es kommt vor allem darauf an um welche Fischart es sich handelt und wo diese herkommt. Daher gilt: Augen auf, beim Fischekauf!

Quecksilber: Warum du von Hai und Schwertfisch lieber die Finger lassen solltest

In Sachen „verseuchtem“ Fisch, ist Quecksilber ganz vorne mit dabei. Quecksilber gelangt durch vielerlei menschliche Quellen in die Meere – beispielsweise durch Kohlekraftwerke, Chlorproduktion, Müllverbrennung, Goldabbau etc. Im Wasser wird Quecksilber durch Mikroorganismen in organisches Methylquecksilber umgewandelt, welches das eigentlich gefährliche Quecksilber ist. Anorganisches Quecksilber wird kaum durch organisches Gewebe aufgenommen, während sich Methylquecksilber fröhlich in allen Meeresbewohnern anreichert.

Methylquecksilber ist vor allem wegen seiner neurologischen Auswirkungen gefürchtet. Es kann beispielsweise die Plazenta passieren und sich auf die Gehirnentwicklung von Ungeborenen und Kleinkindern auswirken.

Auch bei Erwachsenen beeinträchtigt Quecksilber die Gehirnfunktion [2]. Es hat sich gezeigt, dass einige Fischarten stärker mit Quecksilber belastet sind als andere – auf den vorderen Rängen stehen vor allem Fische mit besonders hohen Lebenserwartungen. Die Erklärung? Diese sind eben länger dem Quecksilber im Wasser ausgesetzt. Auch Fische, die sich mit Vorliebe von anderen Fischen und Meeresbewohnern ernähren, weisen höhere Quecksilber Konzentrationen auf, als ihre vegetarischen Kollegen.

SCHADSTOFFBELASTUNG IN FISCHEN & MEERETIEREN – TEIL 1: QUECKSILBER, PCBS, DIOXINE & DDT
Risiko der Gesamtsterblichkeit in Korrelation zum Fischverzehr und der Aufnahme von Fischöl aus klinischen, randomisierten Experimenten. (Bildquelle: Mozzafarian & Rimm, 2006)

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Quecksilberbelastung: Welche Fischarten & Meerestiere sind betroffen?

Zu den Top 5 der am stärksten belaste Arten zählen  Haie (0,99 µg/g), Schwertfische (0,98 µg/g), Königsmakrelen (0,73 µg/g), diverse Tunfischarten (0,12-0,66 µg/g) und Hummer (0,31 µg/g). Zu den undenklichen Arten zählen dagegen Lachs, Hering, Anchovis, Sardinen, aber auch Austern und Shrimps. Alle mit Konzentrationen von weniger als 0,05 µg/g Quecksilber.

Laut FDA wird übrigens eine Quecksilber-Aufnahme von 0,1µg/kg Körpergewicht am Tag als sicher eingestuft. Dies wohlgemerkt bei schwangeren Frauen. Eine 80 kg schwere Person dürfte somit, egal ob schwanger oder nicht, bis zu 1120 kg Lachs pro Woche verputzen, ohne sich Gedanken über Quecksilber zu machen.

Eine Studie zeigte, dass quecksilberbedingte neurologische Auswirkungen erst auftraten bei einem Konsum von 1-2 Fischportionen von stark belastetem Fisch pro Tag über einen Zeitraum von 10 Jahren [2]. Achtet man also ein bisschen darauf, welcher Fisch in der heimischen Pfanne landet, muss man sich um die Folgen zu hoher Quecksilberbelastung keine Sorgen machen.

Und mal ehrlich: Welcher Mensch hierzulande isst schon 2 Portionen Hai pro Tag.

Schadstoffbelastung - Quecksilber: Warum du von Hai und Schwertfisch lieber die Finger lassen solltest
Haie, Schwertfische und Königsmakrelen sind besonders stark mit Quecksilber belastet, während Lachs, Anchovis, Heringe, Sardinen und Shrimps/Austern zu den sicheren Arten zählen. (Bildquelle: Pixabay / skeeze)

PCBs & Dioxine finden sich nicht nur in Meeresbewohnern

Weitere potentiell gefährliche Substanze in Fischen und anderen Meerestieren sind PCBs und Dioxine. Sie sind krebserregend, schaden Leber und Immunsystem und haben negative Auswirkungen auf neurologische Funktionen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen.

PCBs sind Polychlorierte Biphynyle, die früher als Weichmacher in Kondensatoren und sogar in Textilien verwendet wurden. Wegen ihrer Toxizität sind sie jedoch mittlerweile weitestgehend verboten. Dioxine entstehen bei gewissen Verbrennungsprozessen und sind oft ein unerwünschtes Nebenprodukt in der Herstellung anderer Chemikalien.

Als eine der größten Dioxinquellen wäre wohl PCP (Pentachlorphenol) zu nennen, das obwohl hoch giftig und umweltschädlich, in vielen Ländern immer noch als Fungizid und sogar in der Textilindustrie verwendet wird. Auch wenn mittlerweile daran gearbeitet wird, die Umweltbelastung durch PCBs und Dioxine zu verringern, ist das Problem damit leider nicht gelöst, denn Dioxine und PCBs gehören zu einer Gruppe von Stoffen die als persistente organische Schadstoffe bezeichnet werden (Englisch: Persitent Organic Polutants, kurz:  POP).

Persistent, weil sie nur sehr langsam abgebaut werden können und oftmals mehrere Jahrzehnte in Umwelt (und Tieren) bestehen bleiben. Sie werden im Fettgewebe von Tieren eingelagert, also auch in dem von Fischen [2][3].

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PCBs & Dioxine: Welche Fischarten & Meerestiere sind betroffen?

Wieder einmal kommt es auf die Fischart an: Es gibt einige Arten in denen höhere Konzentrationen an PCBs und Dioxinen gefunden werden. Zu den Spitzenreitern in Sachen PCB Belastung zählen Weißer Thunfisch  (100 ng/g), Sardinen (57 ng/g) und Roter Tunfisch (45 ng/g). Relativ hohe Dioxinbelastungen sind in Welsen (bis zu 2,09 pg/g), Heilbut (1,0 pg/g) und Heringen (0,97 pg/g) zu finden.

Eher unbedenklich  in Bezug auf PCB- und Dioxin-Belastung sind hingegen (wilder) Lachs (0,5-5 ng/g PCB, 0,03-0,34 pg/g), Shrimps (0,2-2 ng/g PCB, 0,06-0,19 pg/g Dioxine) und Muscheln (0,8-7 ng/g PCB, 0,09-0,45 pg/g Dioxine) [2].

PCBs und Dioxine sind übrigens nicht nur in Fischen zu finden: In Butter wurden PCB-Konzentrationen von etwa 70 ng/g gefunden, in Hühnchen 32 mg/g und in Rind 22 ng/g. In Käse fand man Dioxin-Konzentrationen von bis zu 0,77 pg/g, in Butter bis zu 0,66 pg/g und in Eiern bis zu 0,52 pg/g [2].

Hier wird deutlich, dass die Belastung in einigen Fischarten zwar hoch erscheinen mag, wir aber durchaus ähnliche Belastungen auch in anderen Lebensmitteln finden. Sofern man hauptsächlich Arten mit geringer Belastung bevorzugt, spricht auch hier nichts gegen einen regelmäßigen Fischkonsum.

Schadstoffbelastung in Fischen
Haie zählen zwar zu den am stärksten belasteten Fischarten, allerdings dürften nur die Wenigsten von uns regelmäßig Hai servieren. Bei Thunfisch stehen die Chancen schon höher – allerdings gilt das nicht für die Filets aus der Dose, da sich die Giftstoffe überwiegend im Fett der Tiere ansammeln. (Bildquelle: Wikimedia / Ratki)
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DDT: Warum Fisch aus China nicht empfehlenswert ist

Dichlordiphenyltrichlorethan, kurz DDT ist ein höchst effektives Insektizid und wird vor allem mit der Bekämpfung von Malaria in Verbindung gebracht. Leider zählt es ebenfalls zur Gruppe der POP. Es reichert sich ausgezeichnet in Fettgewebe von Mensch und Tier an und hat zudem eine relativ lange Halbwertzeit.

Seit 1970 ist DDT weitestgehend verboten. In einigen Ländern wird es jedoch immer noch verwendet, zudem kann man davon ausgehen, dass in der Vergangenheit in die Umwelt gebrachtes DDT immer noch nicht komplett abgebaut ist. Somit finden sich auch in diversen Meeresbewohnern teilweise  beachtlich DDT Konzentrationen [4].

DDT gilt beim Menschen als krebserregend und begünstigt die Entstehung verschiedener Krebsarten, wie Brust- und Bauchspeicheldrüsenkrebs, sowie Leukämie und Lymphdrüsenkrebs. Des Weiteren greift DDT das Nervensystem an. So äußert sich eine DDT-Vergiftung beispielsweise durch Krampfanfälle, Schwindel, Bewegungsstörungen, etc. Außerdem zählt es zu den sogenannten „endokrinen Disruptoren“, mit einer östrogen-ähnlichen Wirkung und schädigt die Leber [3].

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DDT: Welche Fischarten & Meerestiere sind betroffen?

Schaut man sich DDT-Konzentrationen in Fischen an, so wird deutlich, dass es vor allem auf die Region ankommt, aus der die Fische stammen. Wie bereits erwähnt wird DDT in manchen Teilen der Welt immer noch als Insektizid eingesetzt und gelangt dadurch in hohen Konzentrationen in die Umwelt. Das spiegelt sich auch in den Fischen wieder.

So zeigen beispielsweise Fische aus China vergleichsweise hohe DDT-Konzentrationen. In Welsen wurden hier Konzentrationen von bis zu 40,7 ng/g gefunden. In Stachelmakrelen sogar Konzentrationen bis zu 1018 ng/g. Wenn man bedenkt, dass laut USEPA eine DTT Konzentration von nur bis zu 14 ng/g in Fischen als ungefährlich eingestuft wird, so kann man solche Zahlen sicherlich als bedenklich betrachten.

Schaut man sich jedoch in europäischen Gewässern um, sieht die Sache schon wieder ganz anders aus. In Lachsen aus Belgien bzw. Schottland wurden DDT Konzentrationen  gefunden, die zwischen 0,1 und 0,31 ng/g liegen und somit als ungefährlich gelten.

Du siehst also: Auch hier kommt es darauf an, welchen Fisch man sich schmecken lässt. Von Fischen aus Regionen, in denen immer noch DDT eingesetzt wird, ist eher abzuraten wohingegen Fische aus (nord-)europäischen Gewässern wohl bedenkenlos verzehrt werden können [3][5][6].

Schadstoffbelastung: Welse stehen ganz oben, wenn es um die Kontamination mit Dioxinen geht.
Schadstoffbelastung: Welse stehen ganz oben, wenn es um die Kontamination mit Dioxinen geht. (Bildquelle: Flickr / Mathias Apel)

Fazit: Regelmäßiger Fischkonsum ist immer noch empfehlenswert

Fish Oil (Fischöl) - 100 Kapseln - Optimum NutritionAuch wenn Fische heutzutage dank Umweltverschmutzung regelmäßig mit Schadstoffen in Kontakt kommen, sieht es so aus als überwiegen die positiven Effekte des Fischverzehrs ganz klar mögliche negative Effekte.

Der fleißige Aesir Sports Leser dürfte bestens um die gesundheitlichen Vorteile eines regelmäßigen Konsums (tierischer) Omega-3-Fettsäuren wissen.

Es zeigt sich, dass viele Fischarten bedenkenlos verzehrt werden können. Man sollte jedoch auf die Herkunft der Fische achten. Dies gilt übrigens nicht nur, wie eben beschrieben für das Herkunftsland.

Im 2. Teil erfährst du nämlich warum du um Fische aus Aquakulturen am besten einen großen Bogen machst und was es mit Ecolabels wie MSC, Bio, ASC etc. auf sich hat.

HIER geht es zum 2. Teil


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Bildquelle Titelbild: Fotolia / Mita Stock Images


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  • Laifstail

    Ein sehr informativer und lesenswerter Artikel aus dem ich viel mitnehmen konnte. Danke! Ich bin schon auf den zweiten Teil gespannt!

  • Lukas Hamberger

    Sehr guter Artikel Anna 🙂

  • Bjarne

    schade, dass es teilweise so extrem hohe Belastungen sind. habe immer Fisch aus Asien vermeidet
    zu kaufen, dass es jedoch auch bei Arten in den Weltmeeren derart kritische Werte entstehen ist bedenklich. Bei aller Liebe zum Fisch frage ich mich aber im Gegenzug wie es mit der Belastung durch Toxine,Schwermetalle etc. bei Fleisch aussieht. Könnte mir vorstellen daß es auch dort
    bedenkliche Werte gemessen werden können. denn letzten Endes ist es nur dieser Planet Erde und alles ist einem Kreislauf unterworfen, der eben auch die ungewollten Elemente verbreitet.

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